Schutz und Hilfe:
Unsere Feuerwehren
Seit 2004 ist es Wirklichkeit geworden. Unsere Feuerwehrkameraden haben den neuen Feuerwehrstützpunkt am Südring bezogen. Gleichzeitig sind auch Teile des Katastrophenschutzes ins neue Gebäude eingezogen. Ein Problem muss allerdings noch gelöst werden: Die Nutzung des alten Feuerwehrstützpunktes im Katthagen.
Entlastung für die Feuerwehr
Mit dem Einzug in den neuen Stützpunkt, wurde gleichzeitig der Eigenbetrieb „Städtische Betriebe und Feuerwehr“ gegründet. Im ersten Schritt mit dem Bereich „Feuerwehr “, wird der Einstieg in die von der Freien Wählergemeinschaft im letzten Jahr geforderte Strukturreform geschaffen. Zukünftig soll der Eigenbetrieb eine Vielzahl technischer Dienstleistungen für die unterschiedlichsten Bereiche unter einem Dach zusammenfassen. Die städtischen Kindergärten werden ebenso wie das Museum, die Bücherei oder die Feuerwehr von der neuen Servicegesellschaft profitieren: Sie können sich auf ihre eigentliche Kernaufgabe konzentrieren und werden von technischen Fragestellungen befreit. Der FW Korbach war besonders wichtig, daß mit der Feuerwehr begonnen wird. Denn ein reibungsloses Funktionieren der Feuerwehr ist von größter Bedeutung, wie die Groß - Brände bei Grebe und in Meineringhausen gezeigt haben. Die wachsenden Aufgaben sind nur noch mit einem professionellen Management zu bewältigen. Dazu werden überschaubare Strukturen mit einem schnellen lnformationsfluß benötigt. Ein Eigenbetrieb, aus steuerrechtlichen Gründen scheidet eine GmbH als Rechtsform aus, bietet eine hohe organisatorische und wirtschaftliche Selbständigkeit. Insbesondere führt der Eigenbetrieb seine Rechnung nach den Regeln der kaufmännischen, doppelten Buchführung oder einer entsprechenden Verwaltungsbuchführung durch: Mit einer Kosten- und Leistungsrechnung kann sofort begonnen werden kann. Als Ergebnis können bessere Leistungen oder sinkenden Kosten erwartet werden. Das Jahresergebnis 2004 gab der Freien Wählergemeinschaft schon recht. Ein plus von 30.000€ konnten erwirtschaftet werden. Dieser Betrag steht den Feuerwehren der Stadt Korbach im neuen Jahr zusätzlich zur Verfügung.
Interview mit Friedhelm Schmidt
Dem Leiter des neuen Eigenbetrieb:
„ Städtische Betriebe Korbach“ Technische Dienste & Feuerwehr
Zum 01.01.2004 gründete die Kreisstadt Korbach einen neuen Eigenbetrieb. Dieser Eigenbetrieb wurde zunächst mit dem Aufgabenschwerpunkt „feuerwehrtechnische Dienstleistungen“ betraut. Wir besuchten den Betriebsleiter des Eigenbetriebes, Herrn Friedhelm Schmidt:
Herr Schmidt, sie sind nun seit gut einem halben Jahr als Betriebsleiter für den Bereich Feuerwehr eigenverantwortlich. Wie sehen sie die Gründung dieses Eigenbetriebes?
Friedhelm Schmidt: Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Belastung im ehrenamtlichen Bereich des verantwortlichen Stadtbrandinspektors bei einer Größenordnung wie Korbach in den letzten Jahren derart gestiegen ist, dass die organisatorische Verwaltung der Feuerwehr dringend einer Reform bedurfte. Andere Städten und Gemeinden in der Größenordnung von Korbach, haben bereits seit Jahren andere Strukturen. Hier ist die Feuerwehr entweder als eine eigene Abteilung, als ein eigenes Sachgebiet oder als eine Stabsstelle organisiert. In Korbach ist man noch einen Schritt weiter gegangen, und hat die Feuerwehr in einen Eigenbetrieb gebündelt. Bereits nach gut einem halben Jahr kann man eine positive Entwicklung feststellen.
Wie verbinden sie ihre hauptamtliche Tätigkeit mit ihrem Ehrenamt als Stadtbrandinspektor:
Friedhelm Schmidt: Ich bin seit über 21 Jahren Ehrenbeamter der Kreisstadt Korbach, von 1983 bis 1989 als stellv. Stadtbrandinspektor und seit 1989 durchgehend als Stadtbrandinspektor (SBI) Wie bereits erwähnt, ist gerade die Wahrnehmung von Terminen des ehrenamtlichen SBI am Tage sehr hoch. Durch die neue Konstellation in Korbach, bei der beide Tätigkeiten in einer Person durchgeführt werden, sind natürlich allein die Entscheidungswege sehr kurz geworden. Aber auch wenn Betriebsleiter und Stadtbrandinspektor zwei verschiedene Personen wären, so würden sich für den SBI erhebliche Erleichterungen ergeben, da er nur noch einen Ansprechpartner mit Entscheidungskompetenz hat.
Ergeben sich denn für die Feuerwehren unserer Stadt Korbach auch Änderungen durch den Eigenbetrieb?
Friedhelm Schmidt: Selbstverständlich, denn durch die Präsenz im gut zugänglichen Feuerwehrstützpunkt am Südring kommen natürlich viele Wehrführer, Führungskräfte und Feuerwehrleute unserer 15 Feuerwehren mit ihren insgesamt weit über 400 aktiven Einsatzkräften und 200 Jugendfeuerwehrleuten mit berechtigten Anliegen oder Problemen direkt zu mir, die mich frührer nur sehr schwierig am Tage oder aber nach Feierabend erreicht haben. Also auch hier eine positive Entwicklung.
Worin sehen sie denn Ihre Hauptaufgabe?
Friedhelm Schmidt: Es liegt auf der Hand, dass die Aufgaben im Bereich des Feuerwehrwesens laufend steigen. Dies verursacht natürlich auch ständig höhere Kosten für die Kommunen. Also muss ich mich täglich neu bemühen, den ständig neuen Anforderungen der Feuerwehr gerecht zu werden, ohne dass erhebliche Kosten auf die Stadt zu kommen. Folgekosten für den Betrieb so niedrig wie möglich halten und täglich nach neuen Möglichkeiten suchen. Andererseits aber auch unsere enormen Möglichkeiten im Bereich der Wartung von Atemschutzgeräten, Schlauchpflege, Reinigung von Feuerschutzkleidung und vielem mehr, anderen Gemeinden als Dienstleistung anzubieten. Dies rechnet sich für die anderen Gemeinden und natürlich auch für unsere Stadt. In diesem Bereich sind wir bemüht, weitere Städte und Gemeinden als Kunden zu gewinnen. Auch hier sind erste Erfolge nach relativ kurzer Zeit zu verzeichnen.
Sehen sie Vorteile für die Stadt Korbach durch die Gründung dieses Eigenbetriebes?
Friedhelm Schmidt: Dadurch, das wir einen eigenen Wirtschaftsplan haben, den wir zum Ende des Jahres mit einem guten Ergebnis abschließen wollen, sind wir natürlich ganz anders motiviert im Bereich Ausgaben und Einnahmen. Die bereitgestellten Mittel für die Beschaffungen bei den Feuerwehren sollen sicherlich zu 100 % (evtl. sogar noch darüber) ausgegeben werden. Aber wir sind ständig bemüht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um zum Beispiel im Bereich Energie oder Pflegearbeiten, Einsparungen vorzunehmen. Hierzu gehört natürlich auch, dass man im Bereich der Beschaffungen mehr noch nach Wirtschaftlichkeit geht und mit dem „spitzen Bleistift“ rechnet. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich dieser Eigenbetrieb weiter positiv entwickelt.
Haben denn seit der Inbetriebnahme des neuen Stützpunktes die hauptamtlichen Tätigkeiten im neuen Eigenbetrieb zugenommen?
Friedhelm Schmidt: Ganz eindeutig „Ja“.
Durch die Übernahme des GABC Zuges und des Einsatzleitwagens des Katastrophenschutzes (ELW 2) vom Landkreis mit Fahrzeugen, Gerät und Mannschaft, sind in diesem Bereich schon eine Menge an Arbeiten im Bereich Verwaltung und Wartung hinzugekommen. Zum Anderen ist zum 01.01.2004 eine neue Verordnung für Atemschutzgeräteträger in Kraft getreten. Diese hat zur Folge, dass jeder Atemschutzgeräteträger aus dem Landkreis mindestens einmal im Jahr eine Trainingseinheit auf der Atemschutzübungsstrecke absolvieren muß. Allein im 1. Halbjahr 2004 ist gegenüber dem Halbjahr 2003 ein Zuwachs von über 300 % zu verzeichnen gewesen. Auch das neue Angebot der Reinigung, Desinfektion und Prüfung von Chemikalienschutzanzügen sowie der Pflege von Feuerschutzkleidung steigert die Tätigkeiten der drei hauptamtlichen Kräfte und die der Verwaltung. Natürlich auch die Einnahmen für den Eigenbetrieb und damit für die Stadt.
Wären denn diese zusätzlichen Arbeiten auch am alten Standort im Katthagen und mit der bisherigen Form der Verwaltung der Feuerwehr noch möglich gewesen?
Friedhelm Schmidt: Diese Frage muss ich mit einem eindeutigem „Nein“ beantworten. Spätestens ab dem Jahre 2004 wäre weder eine Verwaltung der Feuerwehr in der bisherigen Struktur noch eine Abarbeitung der Wartung und Prüfung der Atemschutzgeräte in der alten Werkstatt im Katthagen möglich gewesen. Es ist davon auszugehen, dass die Arbeiten in den kommenden Jahren gerade im Bereich der Wartung auch für andere Kommunen weiter zunehmen wird. So kann man festhalten:
„Die Umstrukturierung der Feuerwehr zum 01.01.2004 und die Inbetriebnahme des neuen Stützpunktes erfolgten auf den Tag genau zum richtigen Zeitpunkt.“
Die Feuerwehr in einem Eigenbetrieb zu organisieren ist Hessenweit bislang einmalig. Wie sehen sie das „Modell Korbach“ für andere Städte und Gemeinden?
Friedhelm Schmidt: Die Möglichkeiten, die sich in einem Eigenbetrieb ergeben, sind gerade im Bereich der Feuerwehr vorteilhaft. Das Innenministerium beobachtet diese Organisationsform in Korbach mit regem Interesse. Ich habe in den letzten Wochen bereits von einigen Städten, die eine Größenordnung ähnlich wie Korbach haben, Anfragen erhalten. Einige Stadtbrandinspektoren wollen sich mit ihren Bürgermeistern in Korbach über dieses Modell erkundigen. Auch soll ich im Spätherbst bei der Tagung der Kreisbrandinspektoren des Regierungspräsidiums Kassel über unseren Eigenbetrieb berichten. Im kommendem Jahr werden wir einen Erfahrungsbericht in der hessenweit vom Innenministerium verbreiteten Fachzeitschrift „Florian Hessen“ abgeben und unser Modell hessenweit allen Feuerwehren und Kommunen vorstellen.
Der Eigenbetrieb „Städtischen Betriebe Korbach – Technische Dienste & Feuerwehr“ wurde ja zunächst mit dem Aufgabenschwerpunkt „feuerwehrtechnische Dienstleistungen“ einschließlich des gesamten Feuerwehrwesens betraut. Können sie sich vorstellen, kurzfristig weitere Bereiche in den Eigenbetrieb aufzunehmen?
Friedhelm Schmidt: Die Entscheidung hierüber muss von den verantwortlichen Politikern unserer Stadt getroffen werden. Es macht jedoch Sinn, diesem Eigenbetrieb weitere Aufgabenbereiche zuzuordnen. Dadurch könnten Synergieeffekte genutzt werden und weitere Verdichtungen bei den Arbeitsabläufen für die Gesamtorganisation positive Auswirkungen haben. Unter dem Motto „gemeinsam sind wir stark“, kann ich mir schon weitere Aufgabenbereiche vorstellen. Aber wie gesagt, dies ist einzig und allein Aufgabe unserer Kommunalpolitiker.
Herr Schmidt, die FWG Korbach bedankt sich sehr herzlich bei ihnen für das Gespräch und wünscht ihnen, ihren Mitarbeitern, der Feuerwehr und dem Eigenbetrieb „Städtische Betriebe Korbach“ eine schöne Zukunft und positive Entwicklung zum Wohle unserer Stadt Korbach.
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